Eckmannshausen Seite
Beiträger: Marco Fichtner

Eckmannshausen - eine Ortschronik

Zusammengestellt von Hauptlehrer Edgar Lück

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Das Dorf, Eckmannshausen
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Das Melken
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Der Pfingstlümmel
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Würsteheben
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Erntewagen

Eckmannshausen wird allgemein und sicherlich zu Recht gleichgesetzt mit dem "Eckmashusen", das in einem auf etwa 1300 zu datierenden Verzeichnis der Siegerlande dem Probst von Amöneburg zustehenden Abgaben erscheint.

Ebenfalls entdecken wir den Namen Eckmannshausen in kirchlichen Abgabenverzeichnis in Mainz, wo der Ort unter sedes (= Großpfarrei) Netphen genannt wird.

Die eigentliche Besiedlung von Eckmannshausen ist allerdings früher anzusetzen, und zwar in die Zeit, in der die Eingliederung in das Frankenreich erfolgte und in der das Christentum eingeführt wurde. Zu dieser Zeit sind alle Orte, deren Namen mit -dorf, -hausen und -inghausen gebildet sind, sowie die Mehrzahl der mit -bach benannten Orte entstanden.

Die Entstehung der - hausegruppe läßt sich mit einem geschichtlichen Ereignis verbinden. Ihre Namen sind genauso gebildet wie die der - dorfgruppe. Das Bestimmungswort "Eckmanns" ist wieder ein Personenname im Wesfall. Das Grundwort "hausen" is der alte Wemfall der Mehrzahl, heute "häusern". Ursprünglich gehörte zur Ortsbezeichnung noch ein Verhältnis - und ein Geschlechtswort, also "bei" oder "zu den Eckmannshäusern", das heißt bei den Häusern des Eckmann.

Die Sage berichtet über die Entstehung des Wortes Eckmannshausen: Der Gründer des Ortes war ein Landwirt namens Eckmann. Seine Wohnung lag unmittelbar am Dreisbach, an der Stelle des Elternhauses des Dechanten Schwunk, bzw. auf dem Gelände der heutigen Gaststätte Schneider.

Urkundlich hören wir von Eckmannshausen erst viel später wieder. In einem zwischen 1417 und 1419 angelegten Verzeichnis der Einkünfte der gräflichen Rentei Siegen findet sich eine Hütte zu "Ekkemanshusen". Da sie als "ist wuste" bezeichnet wird, muß sie schon einige Zeit vorher errichtet worden sein. Rein nach den Belegstellen zu urteilen, wäre die Hütte zu "Ekkemanshusen" sogar die drittälteste im Siegerland gewesen.

In dem Güterverzeichnis von 1575 werden "der alte Wassergang" und "das Feld beim alten Schleifstein" in der Gemarkung Eckmannshausen (1512 Eckmansshssen) genannt. Offensichtllich handelt es sich hier um eine künstliche wasserzuführung zur ehemaligen Hütte und um ein mit Wasserkraft betriebenes kleines Werk, in dem die in der Hammerhütte hergestellten Geräte nachbearbeitet wurden.

Erst 1907 wurde in Eckmannshausen die erste Wasserleitung gebaut. Sie führte vom "Setzer Berg" bis hin zur Ortsmitte (Kapellenschule). Die einen Kilometer lange Leitung kostete 4 347, - RM. Nutznießer waren jedoch nur die Familien, die "an der Strecke" wohnten. Alle anderen waren weiterhin auf ihre "Quellen" angewiesen. Eine Änderung trat ein, als sich Eckmannshausen und Ölgershausen im Jahre 1955 dem "Wasserwirtschaftsverband Breitenebachtalsperre" anschlossen. Mit dem Bau eines umfassenden Wasserleitungsnetzes wurde begonnen. Die Wasser not war behoben.

Altes wird durch Neues ersetzt, Dinge von früher werden belächelt und als unmodern und altmodisch bezeichnet. An einem halten manche jedoch noch fest: am Brauchtum eines Ortes, eines Landschaftsraumes. So beobachten wir auch Eckmannshausen jahraus, jahrein verschiedene Gruppen, die durch das Dorf ziehen. In der Neujahrsnacht gehen die großen Jungen noch Haus zu Haus, um das Neue Jahr anzusingen. Wenige Tage später rufen die "Sternsinger" die erinnerung an die "Weisen aus dem Morgenland" wach. Sie bringen den Familien nicht nur den Segen Gottes für das Jahr, sondern sammeln auch Geld für die Mission in Übersee. Kaum ist die Natur erwacht, führen die Mädchen des Dorfs das festlich geschmückte Maimädchen und den bunten Maibaum durch alle Straßen und singenden Frühling an. Kurze Zeit später läuten die Schulbuben auf ihre Weise den Frühling ein. Sie ziehen mit dem "Pfingstlümmel", einem in Birkenreisig eingepackten Jungen, umher. Vor jedem Haus sagen sie brav ihr Sprüchlein auf und nehmen dankend Obst, Schnuck und Geld entgegen. Ein Abend der sonst so düsteren Novembertage ist in Eckmannshausen hell erleuchtet. Es ist der Martinstag. Ein buntes Meer von Fackeln und Laternen bewegt sich vom Dorf aus zum Gelände des Friedhofes. Hier warten groß und klein mit Spannung auf das Abbrennen des von den Jugendlichen aufgebauten Martinsfeuers. Fasziniert schauen alle in die zum dunklen Nachthimmel auflodernden Flammen. Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, am Tage nach Weihnachten, ist für die Junggesellen des Ortes einer der schönsten Tage heimischen Brauchtums. Dann ziehen sie von Haus zu Haus, um Fleisch, Speck und Wurststücke und das nötige Kleingeld für die abendliche Frier im Gasthof zu sammeln. Das "Würsteheben" ist ein uralter heidnischer Mittwinterbrauch. Es sollen "die bösen Geister des Dunklen" (Wintersonnenwende) vertrieben werden, damit "die Zeit des Lichtes" (Frühjahr) anbrechen kann.

Fortschritt und Technik und der neue Lebensstil der heutigen Generation haben einen Brauch in Eckmannshausen zum Erliegen gebracht: die Frier des Erntedankfestes. Von 1949 bis 1963 wurde dieses Fest in jedem Jahr unter großer Beteiligung des Dorfs und der Siegerländer Bevölkerung begangen. Nach dem Dankgottesdienst in der Kapelle und der Segnung der Früchte des Feldes formierte sich der Festzug. Im Mittelpunkt dieses Zuges standen die mit viel Phantasie und Humor von den Einwohnern geschmückten Erntewagen und viele reizvolle Einzelgruppen und Personen in Erntetracht.

Über die Einstehung des ersten Schul gebäudes der Schule Überhaupt fehlen jegliche Anhaltspunkte und Mitteilungen. Wir wissen lediglich, daß das alte Schulhaus früher dicht am Dreisbach, auf dem Gelände des heutigen Wohnhauses "Daub"' stand. 1860 wurde mit dem Bau einer neuen Schule begonnen. Es war eine sogenannte Kapellenschule, das heißt, das Gebäude war sowohl Schul - als auch Kirchenraum. Am 21 Oktober 1861 wurde erstmals die hl Messe dort gefeiert. In den Jahren 1927/28 erfolgte ein Anbau an die Kapelle, da diese zu klein geworden war. Eine weitere Erweiterung und Neugestaltung der Kapelle wurde1957 vorgenommen.

Der 1930 als dringlich anerkannte und 1936 beschlossene Neubau einer Schule konnte wegen des Zweiten Weltkrieges nicht verwirklicht werden. Erst 1952 wurde der Plan wieder aufgegriffen, da die unerquicklichen Umstände der Doppelbenutzung des Gebäudes und die daraus resultierenden Folgen unbedingt dir Einrichtung der neuen Schule erforderten. Nach intensiver Arbeit was es dann am 3 Oktober 1953 soweit: der Schulneubau an der Unglinghausener Straße wurde seiner Bestimmung übergeben. Zu dieser Zeit dachte noch niemand daran, daß bereits zwölf Jahre später (1968) ein umfassendes Schulerweiterungsprogramm durchgeführt werden müßte. Im Rahmen der Schulreform wurden nämlich die beiden einklassigen Volksschulen in Herzhausen (1966) und die zweiklassige evangelische Volksschule Unglinghausen (1968) aufgelöst und die Kinder dieser Schulen nach Eckmannshausen befördert. Die bisherige katholische Volksschule Eckmannshausen, durch Gymnastikhalle, Neubau und Pausenhalle vergrößert und modernisiert, wurde in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt, in der bis zum heutigen Tag die Kinder im 1 bis 4 Schuljahr unterrichtet werden.

Auffallend in dem kleinen Ortsteil Eckmannshausen ist die rege Vereinstätigkeit. Bereits in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte die Sangesfreudigkeit der Bewohner zur Gründung Vereins geführt. Doch schon nach kurzer Zeit des Bestehens löste er sich durch die Uneinigkeit der Mitglieder wieder auf. Die Lust zum Gesange aber blieb bestehen. An einem Sonntag im Oktober des Jahres 1911 war es dann soweit. 38 Sänger trugen sich ins Mitgliederverzeichnis ein, unter ihnen Lehrer Adam als erster Chorleiter. Seitdem hat der MGV Eckmannshausen , der auch leistungsmäßig viele Erfolge errungen hat, alle Ereignisse des Dorfes, ob frohe oder traurige, mit seinem Gesang begleitet. Der hiesige Schützenverein konnte 1982 sein erstes jubiläum (25 Jahre) feiern. Seit 1957 treffen sich die Freunde des Schießsports, um bei der Ausübung ihres Sports und in geselliger Runde die Dorfgemeinschaft zu pflegen. Ein Großer Tag in der Geschichte von Eckmannshausen war die Fertigstellung der neuen Gymnastikhalle (3 Februar 1968). Dadurch war allen Vereinen die Möglichkeit gegeben, größere Veranstaltungen in idealen Räumlichkeiten durchzuführen. Darüber hinaus war die neue Halle aber auch Anlaß einer Vereinsgründung. So wurde auf die Initiative des Lehrers Edgar Lück der Turnverein Eckmannshausen ins Leben gerufen. Dieser Verein hat sich nicht nur durch seine vielen Mitglieder (ca 330), sondern vor allem auch durch seine gute Synthese von Leistungsund Breitensport und durch sein breit gefächertes Angebot einen Namen gemacht. Noch "jung an Jahren" sind die "Angelfreunde" von Eckmannshausen. Die Fertigstellung der Obernau-Talsperre im Jahre 1972 gab den Anstoß, das sich die einheimischen Petrijünger 1974 zu einem kleinen, aber in der Zwischenzeit schon leistungsstarken Verein zusammenschlossen. Der Fußballverein SV Eckmannshausen feierte im Sommer 1979 "Auferstehung", denn gegründet wurde der Verein bereits am 1 Oktober 1946. Doch nur zehn Jahre lang jagten die Spieler dem runden Leder nach, dann wurde der Verein im Mai 1956 aufgelöst. Freude am Spiel, Erfolge und Kameradschaft sollen jetzt Fundament eines Vereins sein, der neben den anderen Ortsvereinen mit dazu beitragen will, daß jung und alt von Eckmannshausen ein vielschichtiges Angebot für Freizeit und Entspannung vorfinden.

Der von mir aufgezeigte Abriß einer Ortsgeschichte von Eckmannshausen zeigt, daß Ort auf eine nun fast 700 Jahre durch Urkunden belegte Geschichte zurückblicken kann. Für unsere Generation bedeutet ein Rückblick Dank, Anerkennung und Verpflichtung. Dank und Anerkennung unseren Vorfahren, die trotz oft größter Schwierigkeiten etwas geschaffen haben, auf das wir stolz sein können. Die Eckpfeiler dieses Werkes waren bestimmt ein ständiges Besinnen auf "nur gemeinsam können wir etwas leisten" und ein tiefer Glaube an den Schöpfer Gott, der ihnen für alles Kraft und Einsicht gegeben hat. Der Rückblick bedeutet aber auch Verpflichtung für uns, dieses begonnene Werk weiterzuführen, Tradition und Gegenwart in einen rechten Einklang zu bringen und uns immer wieder auf dir Grundwerte einer harmonierneden und funktionierenden Dorfgemeinschaft zu besinnen. Erst dann wird Eckmannshausen auch weiterhin ein lebendiger Stein in dem großen Gebäude der Gemeinde Netphen und des Kreises Seigen-Wittgenstein sein.

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